Donnerstag, 27. Oktober 2011

Du bist zu schnell

Mieser Trip?

Marek weiß nicht wohin mit seiner Freundin Val. Er liebt sie, weiß aber nicht was mit ihr los ist. Sie nimmt sehr sehr starke Medikamente und hält ihn manchmal für einen Fremden. Als dann eine Leiche in Vals  Badezimmer auftaucht weiß Marek weder ein noch aus und fährt mit Val erstmal zu ihren Eltern. Doch damit ist Val alles andere als geholfen. Val hat in ihrer Jugend alles mitgemacht. Jede Party und jeden Rausch. Nach einem Ausflug nach Hamburg verliert Val ihre Freunde und verbringt zugedröhnt eine Nacht auf der Straße. Dort entdeckt sie zum ersten Mal die "Schnellen". Leute um sie rum bewegen sich in Zeitlupe, Minuten werden zu Stunden. Und dann sind da die Schnellen die sie beobachten, die sich schnell durch die Zeit bewegen, genau wie Val. Sie fühlt sich gut, und scheint eine neue Welt entdeckt zu haben. Doch als sie am nächsten Tag aufwacht, findet sie sich in einer Anstalt wieder. Medikamente lassen sie die Schnellen vergessen. Doch als sie nach ihrer Entlassung wieder auf eine Party geht sieht sie wieder die Schnellen, kurz darauf ist ihr bester Freund Tod. Erst danach, nach einem zweiten Anstaltsaufenthalt versucht sie die Welt der Schnellen zu verbannen. Doch dann taucht Jugendfreundin Jenni auf. Mit ihr spricht sie wieder über ihre eigene Welt. Danach findet Marek Vals Freundin Jenni tot in ihrem Badezimmer. Zusammen mit Theo, Jennis Freund versuchen Marek und Val etwas über die Schnellen rauszufinden.

Bei diesem Thriller spürt man regelrecht das Adrenalin in den Adern. Die Kapitel werden abwechselnd aus der Sicht von Val, Marek und Theo geschildert. Wie in "Sorry" konstruiert der Autor einen raffinierten Plot mit unerwarteten Wendungen. Ist es alles nur Einbildung oder Realität?


Zoran Drvenkar
Du bist zu schnell
304 Seiten, kartoniert
Ullstein Verlag

Montag, 3. Oktober 2011

Der alte König in seinem Exil

Es heißt: Wer lange genug wartet, kann König werden

Arno Geiger schreibt einen wundervollen Roman über seinen Vater August. Dafür hat er sich über sechs Jahre Zeit gelassen. Er schildert die Höhen und Tiefen des Zusammenlebens, wird aber nie schwermütig oder tragisch, trotz der traurigen Krankheit der Demenz, die an seinem Vater nagt. Selbst mit dieser Krankheit bringt er doch wundervolle poetische Sätze hervor und zieht damit seine Umgebung in den Bann.

Arno Geiger schildert den Werdegang seines Vaters und schildert alltägliche Szenen, welche man wegen ihrer Tiefe teilweise nicht für möglich hält. Oft scheint es als wäre August noch in unserer Welt, dann wieder in seiner eigenen. Arno Geiger erzählt von der Kindheit des Vaters im Krieg, von seiner eigenen und vom langsamen einschleichen der Krankheit, welches jedes Familienmitglied anders verarbeitet. Es ist sein eigener, persönlicher Erfahrungsbericht.



Arno Geiger
Der alte König in seinem Exil
Hanser Verlag
192 Seiten, gebunden