Donnerstag, 19. August 2010

Parallel zu dieser Welt existiert eine zweite

Abel ist verliebt, verliebt in die Frau seines Bruders Paul. Er macht sich keine große Hoffnung Mae jemals auf sich aufmerksam zu machen. Zwar ist Abel Pauls Zwillingsbruder, jedoch seit seiner Geburt entstellt durch einen Buckel. Doch dann muss Paul in den Krieg und Mae wendet sich Abel zu. Ihre Regel bleibt aus und kurz darauf kommt Paul zurück. Er scheint verwirrt und verändert. Mae traut sich nicht über die Affäre mit Abel zu sprechen und teilt wieder mit Paul das Bett. Neun Monate später bekommt Mae eine Tochter. Abel sieht in ihr sein Fleisch und Blut. Doch Mae hütet weiter das Geheimnis, dass Abel der Vater sein könnte. So lebt Abel Jahre lang mit der Schuld seine mögliche Tochter im Stich gelassen zu haben. Besonders weil Paul ihr nie wirklich ein Vater war, denn Paul verliert langsam sein Gedächtnis. Seine Tochter hält er für eine Fremde und in Abel sieht er seinen gefallenen  Kameraden. Bei den einfachsten Dingen braucht er Hilfe. Festhalten kann er sich nur an der Geschichte über Isidora, die ihm schon seine Mutter damals vorgelesen hat. Ein verstecktes Land, in dem die Leute bei Eintreffen ihr Erinnerungsvermögen verlieren und jeden Tag neu erleben. Mae weiß keinen Ausweg und verschwindet mit Kind und Paul, lässt Abel jedoch zurück. Allein gelassen denkt er an die Zeit mit seiner Familie zurück und hofft inständig seine Tochter noch einmal wiedersehen zu können.

Teenager Seth merkt das etwas seiner Mutter nicht stimmt. Anfangs vergisst sie die Autoschlüssel, manchmal redet sie wirr und dann vergisst sie sogar sich anzuziehen. Ärzte stellen bei ihr eine Alzheimerfrühform fest. Seth versteht nicht warum er seine Mutter auf so eine Weise verlieren muss. Er begibt sich auf die Recherche der Krankheit. Hatte jemand in seiner Familie auch diese Krankheit? Eigentlich weiß er gar nichts über das Leben seiner Mutter vor seiner Geburt. Auch sein Dad will nichts dazu sagen. Das einzige was Seth Mutter immer wieder erwähnt ist Isidora. So begibt Seth sich auf die Suche nach ihrer Vergangenheit.


Dieser Roman ist Familien- und Krankheitsgeschichte. Der Autor hat zwar die Variante der Alzheimer-Frühform erfunden, sich jedoch sehr viel über Krankheitsbild und Wirkung informiert.Der Zerfall der Familien wird sehr bewegend geschildert und auch wenn Alzheimer eine sehr traurige Krankheit ist, ist dieses Buch nicht nur zum weinen. Zu den Kapiteln von Seth und Abel mit seinen Erinnerungen, kommen immer wieder Kapitel aus der Historie der fiktiven Alzheimer Frühform. Mit ihr kann der Leser beide Geschichten Stück für Stück zusammensetzen.


Stefan Merrill Block
Wie ich mich einmal in alles verliebte
Piper Verlag
347 Seiten, kartoniert