Freitag, 16. Juli 2010

Eine Geselllschaftsutopie


Die USA in naher Zukunft. Der junge Ray Garraty nimmt mit 99 weiteren Jugendlichen einem Lauf teil. Dem Gewinner winken Ruhm und Ehre auf Lebenszeit. Ganz Städte feuern die Jugendlichen an, hängen Transparente auf und schließen Wetten auf den Sieger ab. Das Fernsehen überträgt den Lauf per Hubschrauber. Das ganze hat nur einen Haken: Die Überlebenschance beträgt 1 Prozent. Jeder Teilnehmer der unter eine bestimmte Meilenanzahl pro Stunde kommt, wird erschossen. Dafür sorgen die Soldaten, die mit Panzern neben den Läufern her fahren. Bald erkennt Garraty was für ein Fehler es war bei diesem Lauf mitzumachen. Die Freundschaften die er auf seinem beschwerlichen Weg zwischen Tag und Nacht knüpft hängen an seidenen Fäden. Wer drei mal verwarnt wird steht schließlich auf der Abschussliste und das Durchhaltevermögen der Teilnehmer schwindet um Meile zu Meile, wo die Versuchungen am Straßenrand doch so groß sind anzuhalten.

Auch wenn das Cover nicht sehr ansprechend gestaltet ist und es viele Leser gibt die Stephen King nicht mögen, der gealterte Meister des Horrors schafft hier eine unglaubliche Atmosphäre. Man wird von der Intensität seines Schreibstiels sofort mitgerissen und fühlt sich als wäre man direkt neben Garraty und seinen Kameraden. Einigen wünscht man sogar den Tod, die anderen feuert man an durchzuhalten, möge es noch so ausweglos sein. Dieser Stoff ist nichts für Zartbeseitete, denn King beschreibt jeden Fall und jede Nachlässikeit der Jugendlichen gnadenlos detailreich. Eigentlich hat Stephen King Todesmarsch unter seinem Pseudonym Richard Bachmann verfasst. Die Bücher die er als Richard Bachmann geschrieben hat, unterscheiden sich von seinen typischen King-Büchern. Hier rückt die Gesellschaft in den Vordergrund. Wie kann es eine Gesellschaft geben, bei der die Menschen freiwillig an diesem Martyrium mitmachen? Dieser Thiller ist Vorgänger für Geschichten wie Die Tribute von Panem und zieht die Leser auch heute noch in ihren Bann.

Stephen King
Todesmarsch
Ullstein Verlag
362 Seiten, kartoniert

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen