Mittwoch, 22. Februar 2012

Fünf

Handliche Leichenteile in kleinen Kisten


Eine junge Frau wird ermordet auf einer Kuhweide in der Nähe von Salzburg gefunden. In ihren Fußsohlen sind zwei Koordinaten eintätowiert. Diese führen die Ermittler Beatrice Kaspary und Florin Wenninger zu einer Schachtel mit wiederlichem Inhalt. Neben einer abgetrennten Hand birgt die Kiste auch ein Rätsel für die nächste Station. Was spielt der Mörder für ein grausames Spiel?  Nach einigen Nachforschungen stoßen Beatrice und Florin auf die Internetseite  www.geocaching.com Hier verstecken Leute auf der ganzen Welt kleine Schachteln und lassen diese per GPS-Gerät suchen. Warum wählt der Täter ausgerechnet diese Form? Nach und  nach ergibt sich eine Spur, doch die Zusammenhänge sind schwer zu deuten. Als der Killer sich dann auch noch persönlich bei Beatrice meldet, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit.

Ursula Poznanski schreibt sonst Jugendbücher wie Erebos,  in dem es um ein böses Computerspiel geht, dass Jugendliche in seinen Bann zieht, und Saeculum in dem ein mittelalterliches Rollenspiel böser Ernst wird. Nun liefert sie einen Thriller zum Thema Geocaching, dass inzwischen auch in Deutschland mehr und mehr Anhänger findet. Als Jugendbuch ist dieser blutrünstige Thriller auf keinen Fall geeignet. Wer zart beseitet ist sollte diesen Thriller unbedingt meiden. Alle anderen bekommen hier eine gute Einführung zum Thema Geocaching. Erfahrene Geocacher, oder die nach diesem Buch Lust dazu bekommen haben, können alle Plätze in Salzburg besuchen und die Boxen loggen (allerdings ohne gruseligem Inhalt). Beatrice Kaspary ist eine sympathische Frau die sich mit ganz alltäglichen Problemen wie Beruf, Ex-Mann und Kinder auseinander setzt und dennoch einen klaren Kopf bewahrt.  Zusammen mit Florin Wenninger bildet sie ein starkes Team für einen sehr kniffligen Fall mit überraschendem Ende.


Ursula Poznanski
Fünf
Wunderlich Verlag
384 Seiten, englische Broschur

Donnerstag, 19. Januar 2012

Die Narbe

Unfall oder Mord?

Dem Kommissar Gerald van Loren wächst alles über den Kopf. Er ist frischgebackener Vater, kann sich mit seiner Lebensgefährtin Nele aber nicht so recht freuen. Er braucht Luft vom neuen "Familienglück" und nach einem Kneipenbesuch gerät er zufällig an eine Unfallstelle wo ein junger Mann sich vom Balkon gestürzt hat. Der linke Ärmel ist hoch gekrämpelt und mit einer Sicherheitsnadel befestigt. Als er am nächsten Tag die Akte von Alexander Faden auf seinem Schreibtisch hat, lautet das Ergebnis Suizid. Er redet mit dem Gerichtsmediziner und dem kommt eine kunstvoll gearbeitete Narbe am Armstumpf in den Sinn. Dinese Narbe scheint nicht von einem Unfall zu stammen.  Da sein machohafter Kollege Batzko nichts von den Ermittlungen hält und van Lorens Intuition für Schwachsinn befindet, befragt van Loren heimlich Nachbarn und Familie des Toten. Scheinbar war eer Mitglied in einer Therapiegruppe eines Dr. Chateaux. Nach und nach findet Gerald raus, dass der Tote an BIID litt, eine Krankheit, bei der sich Betroffene erst dann vollkommen fühlen wenn ihnen ein Körperteil wie der Arm oder der Unterschenkel fehlt. Doch nachdem dem Toten der Arm abgenommen wurde war er ausgeglichener und auch weniger introvertiert, wie van Loren nach einiger Recherche raus findet. Warum sollte er Selbstmord begehen, wenn er doch grade auf dem Weg der Besserung war? Van Loren beschließt, sich der Therapiegruppe inkognito anzuschließen und gerät dabei auf gefährliches Terrain. Soll man dem ungewöhnlichen Therapeuten glauben? Wie viel kann van Loren von sich preisgeben ohne sich zu verraten?

Frank Schmitter wurde in Krefeld geboren, lebt jedoch inzwischen in München. "Die Narbe" ist ein handfester Krimi mit undurchschaubaren Figuren und außergewöhnlicher Handlung. Der Autor setzt sich sehr genau mit dem Krankheitsbild auseinander und fädelt daraus einen sehr fesselnde Geschichte.

Frank Schmitter
Die Narbe
btb Verlag
320 Seiten, kartoniert

Sonntag, 11. Dezember 2011

Sarahs Schlüssel

Vergesst niemals!


Paris 2003: Die Jounalistin Julia lebt schon länger in Paris als in den USA. Nun soll soll sie einen Bericht über die Ereignisse im Vélodrome d'Hiver im Sommer 1942 schreiben. Damals wurden rund 13.000 Juden vor ihrem Transport in die Konzentrationslager gefangen gehalten. Alles geleitet von der französischen Polizei. Julia hat von diesem Ereigniss noch nie gehört und beginnt zu recherchieren. Dabei bemerkt sie, dass die Pariser sehr verschlossen reagieren. Auch Julias Schwiegereltern und ihr Mann scheinen nicht viel von der Reportage zu halten. Nach und nach findet Julia auch raus warum ausgerechnet die Leute die ihr nahe stehen, sich nicht erinnern wollen. Denn in der ehemaligen Wohnung ihrer Schwiegereltern wohnte 1942 erst eine jüdische Familie...

ab 15. Dezember im Kino
Paris 1942: Ein Mädchen hört ihre Eltern flüstern und weiß nicht wieso. Ihre Mutter sieht von Tag zu Tag trauriger aus und möchte ihr nicht erzählen warum. Also kümmert sie sich um ihren kleinen Bruder und versucht das Verhalten der Erwachsenen zu ignorieren. Seit sie diesen Stern trägt ist alles anders. Alle schauen sie komisch an und möchten nicht mehr mit ihr zusammen sein. Man darf weder ins Schwimmbad noch auf den Markt. Als dann ein Polizist an der Wohnungstür klingelt, versteckt sie ihren Bruder im Schrank und verspricht ihm bald wiederzukommen. Den Schlüssel nimmt sie an sich. Ihre komplette Familie wird abgeführt und mit über 10.000 anderen Juden ins Vél d'Hive gesperrt. Sie kann an nichts anderes denken als an ihren kleinen Bruder im Schrank und schwört bald wieder bei ihm zu sein...

Tatiana de Rosnay wuchs in Paris und in Boston auf. Sie beschreibt sehr gut welche Unsicherheit Julia trotz der langen Zeit in Paris umgibt. Für Julia ist der Artikel nicht nur ein Bericht sondern eine Suche nach dem Mädchen und auch nach sich selbst. Die Kapitel wechseln anfangs zwischen dem Mädchen und der Journalistin. Die Autorin schildert die Ereignisse in Paris drastisch und schonungslos. Man ist  entsetzt und berührt. Trotz aller grausamen Umstände verliert das Mädchen nie ihr Ziel aus den Augen und versucht alles um wieder zurückzukehren. Die Verfilmung des Romans kommt Mitte Dezember in die deutschen Kinos. Ein Buch für alle, die "Der Junge im gestreiften Pyjama" oder "Die Bücherdiebin" auch noch nach dem lesen begleitet hat.

Tatiana de Rosnay
Sarahs Schlüssel 
344 Seiten, kartoniert
Berlin Taschenbuch Verlag

Mittwoch, 23. November 2011

Angerichtet

Es wird gegessen was auf den Tisch kommt!


Paul ist eingeladen. Nicht von irgendjemandem, sondern von seinem Bruder, dem angehenden Minister Serge Lohman mit seiner Frau Babette. Zusammen mit seiner Frau Clair denkt Paul an einen entspannten Abend. Doch dann findet er etwas auf dem Handy seines Sohnes Michel, etwas das er schon lange vermutet hat.  Der Abend scheint nun doch nicht mehr ganz so entspannt zu werden. Nachdem man um den  heißen Brei herumgeredet hat wird nach und nach klar, weshalb alle Anwesenden hier sind, denn was nun auf den Tisch kommt ist alles andere als leicht verdaulich...

Der Roman hat einen eigenwilliger Stil und doch lässt die Erzählweise keinen so leicht los. Der Niederländer Herman Koch lässt seine Hauptfigur Paul die Geschichte in verschiedene Gänge unterteilen und dem Leser tun sich Gang für Gang Abgründe auf. Durch die vielen Rückblicke erfährt man nach und  nach Pauls Geschichte, sowie mehr über Serge, Babette, Clair und deren Kinder, weshalb sie sich im Restaurant verabredet haben. Jeder scheint ein Geheimnis zu haben.  Eine dramatische Familiengeschichte mit bitterem Nachgeschmack.



Herman Koch
Angerichtet
Kiepenheuer & Witsch
336 Seiten, kartonieiert

Donnerstag, 27. Oktober 2011

Du bist zu schnell

Mieser Trip?

Marek weiß nicht wohin mit seiner Freundin Val. Er liebt sie, weiß aber nicht was mit ihr los ist. Sie nimmt sehr sehr starke Medikamente und hält ihn manchmal für einen Fremden. Als dann eine Leiche in Vals  Badezimmer auftaucht weiß Marek weder ein noch aus und fährt mit Val erstmal zu ihren Eltern. Doch damit ist Val alles andere als geholfen. Val hat in ihrer Jugend alles mitgemacht. Jede Party und jeden Rausch. Nach einem Ausflug nach Hamburg verliert Val ihre Freunde und verbringt zugedröhnt eine Nacht auf der Straße. Dort entdeckt sie zum ersten Mal die "Schnellen". Leute um sie rum bewegen sich in Zeitlupe, Minuten werden zu Stunden. Und dann sind da die Schnellen die sie beobachten, die sich schnell durch die Zeit bewegen, genau wie Val. Sie fühlt sich gut, und scheint eine neue Welt entdeckt zu haben. Doch als sie am nächsten Tag aufwacht, findet sie sich in einer Anstalt wieder. Medikamente lassen sie die Schnellen vergessen. Doch als sie nach ihrer Entlassung wieder auf eine Party geht sieht sie wieder die Schnellen, kurz darauf ist ihr bester Freund Tod. Erst danach, nach einem zweiten Anstaltsaufenthalt versucht sie die Welt der Schnellen zu verbannen. Doch dann taucht Jugendfreundin Jenni auf. Mit ihr spricht sie wieder über ihre eigene Welt. Danach findet Marek Vals Freundin Jenni tot in ihrem Badezimmer. Zusammen mit Theo, Jennis Freund versuchen Marek und Val etwas über die Schnellen rauszufinden.

Bei diesem Thriller spürt man regelrecht das Adrenalin in den Adern. Die Kapitel werden abwechselnd aus der Sicht von Val, Marek und Theo geschildert. Wie in "Sorry" konstruiert der Autor einen raffinierten Plot mit unerwarteten Wendungen. Ist es alles nur Einbildung oder Realität?


Zoran Drvenkar
Du bist zu schnell
304 Seiten, kartoniert
Ullstein Verlag

Montag, 3. Oktober 2011

Der alte König in seinem Exil

Es heißt: Wer lange genug wartet, kann König werden

Arno Geiger schreibt einen wundervollen Roman über seinen Vater August. Dafür hat er sich über sechs Jahre Zeit gelassen. Er schildert die Höhen und Tiefen des Zusammenlebens, wird aber nie schwermütig oder tragisch, trotz der traurigen Krankheit der Demenz, die an seinem Vater nagt. Selbst mit dieser Krankheit bringt er doch wundervolle poetische Sätze hervor und zieht damit seine Umgebung in den Bann.

Arno Geiger schildert den Werdegang seines Vaters und schildert alltägliche Szenen, welche man wegen ihrer Tiefe teilweise nicht für möglich hält. Oft scheint es als wäre August noch in unserer Welt, dann wieder in seiner eigenen. Arno Geiger erzählt von der Kindheit des Vaters im Krieg, von seiner eigenen und vom langsamen einschleichen der Krankheit, welches jedes Familienmitglied anders verarbeitet. Es ist sein eigener, persönlicher Erfahrungsbericht.



Arno Geiger
Der alte König in seinem Exil
Hanser Verlag
192 Seiten, gebunden

Samstag, 10. September 2011

Die Radleys

Eine schrecklich nette Familie

Ein ganz normale Nachbarschaft in einem ganz normalen Vorort. Hausfrau Helen und Arzt Peter führen mit ihren Kindern Clara und Rowan ein ganz normales Leben. Wenn da nicht diese kleinen Auffälligkeiten wären. Sie sind alles sehr blass, meiden das Sonnenlicht und haben eine eigenartige Abneigung gegen Knoblauch.
Helen und Peter versuchen alles um ihre wahre Identität zu verbergen. Seit der Geburt ihrer beiden Kinder haben sie über ihre damalige Lebensweise nicht mehr gesprochen. Clara und Rowan ahnen nicht was sie sind. In ihrer Schule sind sie Außenseiter. Doch als Clara beschließt Vegetarierin zu werden und auf Fleisch zu verzichten schrillen bei ihren Eltern die Alarmglocken. Und tatsächlich, ein Unglück passiert. Auf einer Party wird Clara von einem Mitschüler belästigt, und eh sie es realisieren kann, trinkt sie sein Blut. Ihr Vater versucht sein Bestes um die Leiche diskret wegzuschaffen doch es gelingt ihm nicht. Er muss also seinen Bruder Will um Hilfe bitten, und der ist in der Unterwelt kein unbeschriebenes Blatt. Und auch Helen verbindet vieles mit Will. Und das darf Peter auf keinen Fall erfahren. So wird das Leben der Radleys auf den Kopf gestellt. Nach und nach wird es immer schwerer die ganz normalen Nachbarn zu sein und ihr wahres Wesen zu verbergen wird bei Eintreffen des blutdurstigen Will nicht besser.



Matt Haig schafft hier einen ganz besonderen Vampir-Roman ausserhalb der Klischees. Eigentlich sind die Radleys ganz normal, ehe Sie sich wieder mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen müssen. Die Welt mit Vampir-Clubs, Blutdurst und Macht. Und doch sind sie immer noch eine Familie und versuchen so normal weiterzumachen wie möglich.


Matt Haig  
Die Radleys: Ein Vampirroman
Kiepenheuer & Witsch Verlag
424 Seiten, gebunden